Sprachheilschule

Sprache öffnet Türen – sie ist der Schlüssel zu Bildung, Begegnungen und zur Entfaltung der eigenen Persönlichkeit. An der FFS unterstützen wir Kinder mit Sprachauffälligkeiten in allen Lebensbereichen – beim Lernen, beim Verstehen und im sozialen Miteinander.

Sprachförderung im SchulAlltag

Allgemeine Unterrichtsprinzipien an der Sprachheilschule

Unser Ziel an der FFS ist es, Kinder mit Sprachauffälligkeiten so zu stärken, dass sie ihre sprachlichen Hürden überwinden und wieder erfolgreich in das Regelschulsystem integriert werden können. Wir arbeiten nach einem fächerübergreifenden Ansatz, bei dem Sprache als gemeinsames Thema aller Fächer verstanden wird. Im Mittelpunkt stehen die vier zentralen Sprachebenen: Phonetik/Phonologie, Semantik, Morphologie/Syntax und Pragmatik. Dabei versuchen wir in Zusammenarbeit mit den Logopädinnen, Unterricht und Therapie eng miteinander zu verzahnen. Sprachförderung ist an der FFS kein Zusatz, sondern Teil des Alltags.

Die Unterrichtsinhalte werden deshalb immer an die sprachlichen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler angepasst, um den Kindern die individuelle Unterstützung und Förderung zu bieten, die sie zur Förderung und Verbesserung ihrer Ausdrucksmöglichkeiten und ihres sprachlichen Lernens brauchen. Dies geschieht sowohl durch allgemeine, unspezifische sprachfördernde Maßnahmen im Unterricht sowie durch spezifische sprachheilpädagogische Fördermaßnahmen auf Basis einer individuellen sprachlichen Diagnostik.

Allgemeine Sprachfördermaßnahmen im Unterricht sind zum Beispiel:

  • Ruhige und strukturierte Arbeitsatmosphäre

  • Gestaltung der Lehrersprache (sprachliches Vorbild sein!)

  • Einsatz nonverbaler Kommunikation: Blickkontakt, Mimik und Gestik

  • Schaffen von Kommunikationsgrundlagen (Gesprächsregeln, Gesprächskultur)

  • Ritualisierte Sprechanlässe

  • Vereinfachung sprachlicher Komplexität

  • Handlungsorientierung

  • Visualisierung

  • Stärkung der sozialen und emotionalen Kompetenzen

Dazu kommen spezifische Fördermaßnahmen auf Grundlage des individuellen Förderplans, die die einzelnen Sprachebenen gezielt entsprechend der Bedürfnisse der Kinder unterstützen.

Sprachförderung im SchulAlltag

Sprachauffälligkeiten und Förderung auf den vier Sprachebenen

Phonetisch-phonologische Ebene

Hier geht es um die Lautbildung und Lautunterscheidung. Kinder mit Schwierigkeiten in diesem Bereich können bestimmte Laute nicht korrekt bilden oder verwechseln ähnliche Klänge. An der FFS trainieren wir die Lautwahrnehmung unter anderem mit Hörübungen, Lautspielen und phonetischen Bewusstheitstrainings.

  • Praxisbeispiel: In der Vorklasse üben die Kinder zum Beispiel spielerisch mit Lautgesten, Reimspielen und Rhythmusübungen die korrekte Artikulation und das genaue Hinhören.

Semantisch-lexikalische Ebene

Die semantisch-lexikalische Ebene betrifft den Wortschatz und das Bedeutungsverständnis. Kinder mit semantischen Auffälligkeiten verfügen oft nur über einen eingeschränkten Wortschatz oder verwenden Wörter zum Teil nicht passend. In unserem Unterricht versuchen wir, den Wortschatz systematisch weiter aufzubauen – unter anderem mit Themenkisten, Bildkarten, Wortfeldarbeit und dialogischem Lesen.

  • Praxisbeispiel: Im Sachunterricht erweitern die Kinder ihren Wortschatz zu Themen wie Wald oder Wetter zum Beispiel durch reale Materialien, Bilder und Bewegungsspiele.

Syntaktisch-morphologische Ebene

Hier steht die Grammatik im Mittelpunkt – also der Aufbau von Sätzen und die richtige Verwendung sprachlicher Strukturen. An der FFS üben die Kinder gemeinsam und spielerisch grammatische Strukturen durch Sprachmuster, Satzbauübungen und handlungsbegleitende Sprache.

  • Praxisbeispiel: Im Deutschunterricht legen Kinder Satzbaupläne mit Symbolkarten, um Subjekt, Prädikat und Objekt zu erkennen und selbstständig zu bilden.

Pragmatisch-kommunikative Ebene

Die pragmatisch-kommunikative Ebene betrifft den situationsgerechten Gebrauch von Sprache. Kinder mit pragmatischen Schwierigkeiten haben zum Teil Probleme, Gesprächsregeln einzuhalten, Mimik und Gestik zu deuten oder Sprache an die Situation anzupassen. An der FFS wird diese Kompetenz unter anderem durch Rollenspiele, Partnergespräche und soziales Lernen im Ganztag gefördert.

  • Praxisbeispiel: Im Morgenkreis, beim Mittagessen oder z.B. in der Theater-AG lernen die Kinder, Gespräche zu beginnen, Fragen zu stellen und auf andere zu reagieren.

    Durch die gezielte Arbeit auf allen vier Sprachebenen entsteht eine systematische und nachhaltige Sprachförderung, die Kinder befähigt, ihre sprachlichen Fähigkeiten Schritt für Schritt zu erweitern – und sich sicher in schulischen wie außerschulischen Situationen zu bewegen.

Englisch in der Schule mit dem Förderschwerpunkt Sprachheilförderung

Englisch als Fremdsprache ist ein fester Bestandteil unseres täglichen Lebens.

Da wir in der Schule mit dem Förderschwerpunkt Sprachheilförderung zielgleich unterrichten, gehört hierzu natürlich auch der Englischunterricht. Dieser umfasst in den Klassen 3 und 4 zwei Wochenstunden, in den Klassen 5 und 6 dann als Hauptfach fünf Wochenstunden. Natürlich achten die Englischlehrkräfte der FFS ganz besonders darauf, dass die Schülerinnen und Schüler mit Anspruch Sprachheilförderung die für sie erschwerte sprachliche Hürde gut meistern und Freude an der Fremdsprache haben.

Ziel des Englischunterrichts ist es, von Anfang an bei den Kindern Freude und Motivation am Erlernen und im Umgang mit der Fremdsprache zu wecken. Weiterhin sollen Interesse und Verständnis gegenüber anderen Sprachen und Kulturen angebahnt und die Ausdrucks- und Kommunikationsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler erweitert werden.

Schwerpunkte im Fremdsprachenunterricht in den unterschiedlichen Klassen

Entwicklung von Hörverstehen und Sprechen

Durch das immer wieder genaue Hinhören, das Wiedergeben und Unterscheiden wiederkehrender typischer englischer Laute und Wörter gelangen die Schülerinnen und Schüler in ihrem individuellen Tempo zum Verstehen der Fremdsprache und darüber hinaus auch zum Sprechen. Sie lernen zunächst Wörter nachzusprechen, dann kleine Dialoge zu führen um sich z.B. vorzustellen, Wünsche zu äußern, Lieder mitzusingen, Reime vorzutragen, Dinge zu benennen.

Lesen und Schreiben als unterstützende Elemente

Zu den zwei wichtigsten Bereichen des Grundschulenglischs – Hörverstehen und Sprechen – kommen das Lesen und die Schrift als unterstützende Elemente hinzu. Erst wenn ein Wort mehrmals gehört und nachgesprochen wurde, wird das Schriftbild eingeführt. Die Schülerinnen und Schüler sollen primär nicht aus dem Gedächtnis Wörter aufschreiben oder unbekannte Wörter/Sätze erlesen. Vielmehr geht es darum, das Wortmaterial abzuschreiben, Lückentexte mit vorgegeben Wörtern zu ergänzen, Wort-Bild-Verbindungen herzustellen usw. Ziel hierbei ist es dafür zu sensibilisieren, dass wir die Wörter im Englischen nicht so schreiben können, wie wir sie sprechen. Ein Einschleifen falscher Aussprache/Schreibung soll durch die vorherige mündliche Übung mit dem Wortmaterial vermieden werden.

Sprachförderung im Mathematikunterricht

Im Verlauf ihrer Schulzeit müssen Kinder viele Fachwörter im Mathematikunterricht lernen. Diese zu verstehen und in ihren Wortschatz zu übernehmen, stellt für sprachbeeinträchtigte Kinder eine große Herausforderung dar.

Zusätzlich kann echtes mathematisches Verständnis nur in der Interaktion und Kommunikation mit anderen erworben werden. Daher bekommen die Kinder von uns immer die Gelegenheit, Fachwissen handelnd zu erwerben und sich über ihre mathematischen Entdeckungen, Strategien, Vorgehensweisen oder Fehler mündlich wie auch schriftlich auszutauschen.

Hierzu gehört beispielsweise der Einsatz von Wortspeichern, der handelnde Umgang mit konkretem Material und das sprachliche Begleiten von Rechenoperationen.

Besonderheiten im Deutschunterricht

Der Deutschunterricht an unserer Schule ist weit mehr als das bloße Erlernen von Buchstaben. Da unsere Schülerinnen und Schüler unterschiedlichste Herausforderungen im Bereich der Sprache mitbringen, gestalten wir den Unterricht nach den Prinzipien der Sprachheilpädagogik. Das bedeutet: Wir fördern die Kinder ganzheitlich auf allen Sprachebenen, um ihnen Sicherheit im Umgang mit Schrift und Wort zu geben.

1. Laut- und Schriftspracherwerb (Phonologie & Phonetik)

Damit der Sprung vom Laut zum Buchstaben gelingt, nutzen wir die „Multisensorik“ – das Lernen mit allen Sinnen.

  • Lautbildung: Zu jedem Buchstaben lernen die Kinder ein Handzeichen. Das Handzeichen unterstützt die Lautbildung. Das unterstützen wir zusätzlich mit Hilfe eines Spiegels.

  • Lernen „In Aktion“: Ein Kind schreibt z.B. den Buchstaben „S“ nicht nur auf Papier, sondern spürt ihn in einer Sandwanne nach oder legt ihn mit einem dicken Seil auf dem Boden aus und läuft über das Seil.

  • Mundmotorik: Wir bauen spielerische Übungen zur Mundmotorik zur Stärkung der Muskulatur ein (z. B. „Wattebausch-Fußball“ zum Training der Lippenkraft), damit alle Laute motorisch gebildet werden können.

2. Wortschatz und Verstehen (Semantik & Lexikon)

Ein Kind kann nur über Dinge schreiben, für die es auch Begriffe hat. Wir bauen deshalb den Wortschatz gezielt auf.

  • Wortfelder erleben und erarbeiten: Bevor wir über das Thema „Herbst“ schreiben, gehen wir in den Wald, sammeln Kastanien und benennen alles ganz konkret.

  • Sprachsensible Gestaltung von Inhalten: Wir gestalten den Unterricht und Arbeitsaufträge individuell (verschiedene Lesestufen, Silbenschrift und Bilder, stetige Klärung unbekannter Wörter und daraus resultierend Erweiterung des Wortschatzes)

3. Sätze bauen und Grammatik (Morphologie & Syntax)

Viele Kinder haben Schwierigkeiten, Sätze korrekt zu bilden oder Endungen richtig zu setzen.

  • Visualisierung durch Symbole: Wir nutzen Symbole (z. B. farbige Karten), um Satzstrukturen sichtbar zu machen (bspw. Symbole für Nomen, Verben, Adjektive oder Satzbausteine).

  • Sprachliche Vorbilder: Die Lehrkräfte achten besonders darauf, durch bewussten Einsatz ihrer Sprache und korrektives Feedback als Vorbild zu dienen.

4. Sprache anwenden (Pragmatik-Kommunikation)

Sprache ist unser Werkzeug, um mit anderen in Kontakt zu treten.

  • Rollenspiele: Im Unterricht üben wir ganz konkret: Wie frage ich höflich nach einem Stift? Wie erkläre ich eine Spielregel?

  • Erzählkreis/Klassenrat: Hier lernen die Kinder, zuzuhören, andere ausreden zu lassen und ihre eigenen Erlebnisse strukturiert wiederzugeben.

  • Kommunikationsgestaltung: Wir legen besonderen Wert auf Gesprächsregeln, Wertschätzung, das Schaffen vielfältiger Sprachanlässe und eine Fragekultur.

Sprachförderung im SchulAlltag

Wahrnehmungsförderung

Auditive Wahrnehmung

Die auditive Wahrnehmungsförderung stellt vor allem einen wichtigen Baustein unserer Arbeit in der Vorklasse sowie in der 1. und 2. Klasse dar, da die auditive Wahrnehmung neben der visuellen Wahrnehmung zu den wichtigsten Voraussetzungen im Lese- und Rechtschreiblernprozess gehört.

Sehr viele Kinder mit Sprachschwierigkeiten haben auch Schwierigkeiten im Hören und Verstehen. Diese Kinder

  • sprechen häufig undeutlich, weil sie selbst die gesprochenen Worte nur undeutlich wahrnehmen
  • können wichtige und unwichtige Botschaften nur schwer unterscheiden
  • fragen häufig nach
  • können nicht lokalisieren, woher ein Geräusch/die Ansprache kommt
  • sind sehr lärmempfindlich und reagieren zum Teil schreckhaft auf laute Geräusche, sind gleichzeitig aber selbst sehr laut, ohne dass ihnen das bewusst ist
  • verstehen Aufforderungen nicht und raten dann, was sie tun sollen
  • können ähnliche Laute nicht unterscheiden
  • können sich in unruhiger Umgebung schlechter konzentrieren (Unterscheidung zwischen Nutzschall und Störschall)
  • können sich Rhythmen schwer merken oder diese unterscheiden
  • werden schnell müde
  • Diese Bereiche werden im Unterricht spielerisch gefördert und zusätzlich durch den Einsatz gezielter Trainings z.B. mit Computerprogrammen wie AudioLog, dem Lateraltrainer nach Warnke sowie der Klangbox (Audiva) unterstützt.

Visuelle Wahrnehmung

Auch beim Sehen und Erkennen können sich Wahrnehmungsschwierigkeiten zeigen, denn Sehen ist ein Lernprozess!

In der Friedrich-Fröbel-Schule sind wir dafür sensibilisiert, denn Kinder geraten in Stress (ohne es selbst beschreiben zu können), wenn gezielten Augenbewegungen und ihre Anpassung an verschiedene Entfernungen nicht gelingen.

Kinder die hier Schwierigkeiten haben

  • reiben sich häufig die Augen
  • haben angespannte Muskeln rund um die Augen und in der Nackenpartie
  • sitzen oft mit schräg geneigtem Kopf über dem Arbeitsmaterial und haben einen sehr nahen Arbeitsabstand
  • ermüden schnell

Jährliche augenärztliche Untersuchungen werden für Kinder ab dem dritten Geburtstag empfohlen. Eine möglicherweise neue Brillenkorrektur beinhaltet jedoch nicht automatisch die Integration aller erforderlichen visuellen Fähigkeiten:

  • Anpassung der Augenlinse an verschiedene Entfernungen (Akkommodation)
  • Beidäugiges Sehen (Stereosehen, räumliche Wahrnehmung)
  • Langsame Augen-Folge-Bewegungen (Lesen)
  • Gezielte Blicksprünge
  • Blickwechsel zwischen Ferne und Nähe (Blickwechsel zwischen Tafel und Heft)
  • Ausgewählte Arbeitsmaterialien, besondere Spielangebote und Übungen können den betroffenen Kindern in unserer Schule helfen, Sehen und Beobachten ohne Anspannung zu lernen.